Vernetzung von ehrenamtlichen Angeboten und professionellen Strukturen
„Wir wollen auch in Zukunft eine gute Pflege sicherstellen, die bedarfsgerecht ist, für den Einzelnen leistbar bleibt und gleichzeitig von der öffentlichen Hand finanziert werden kann. Dieses Ziel erreichen wir nur, wenn professionelle Angebote, familiäre Unterstützung, koordiniertes Ehrenamt und persönliches Engagement miteinander wirken.
Dabei ist mir wichtig, Folgendes festzuhalten: Alt sein bedeutet nicht automatisch pflegebedürftig zu sein – und Pflegebedürftigkeit heißt auch nicht, dass der Weg zwingend ins Heim führt. Schon heute sehen wir, dass nur rund 15 Prozent der über 85-jährigen in stationären Einrichtungen leben. Unser Ziel ist es, diesen Anteil auf 10 Prozent zu senken.
Dafür braucht es „Sorgende Gemeinschaften“ – lokale Netzwerke, in denen Nachbarn, Gemeinden, Pfarren, Ehrenamtliche und professionelle Dienste gemeinsam Verantwortung übernehmen. Entscheidend ist dabei auch eine koordinierende Ansprechperson vor Ort – ein „Kümmerer“, der Angebote vernetzt, Aktivitäten organisiert und als Bindeglied zwischen den Beteiligten wirkt. Ziel ist es, ältere Menschen im Alltag zu unterstützen, ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu fördern und ein möglichst langes selbstbestimmtes Leben zuhause zu ermöglichen. Die Angebote orientieren sich dabei an den konkreten Bedürfnissen vor Ort und ergänzen bestehende professionelle sowie freiwillige Strukturen.”
– Soziallandesrat Dr. Christian Dörfel
„Die Frage, wie wir künftig füreinander sorgen, ist keine reine Pflegethematik mehr. Sie ist eine der größten gesellschaftlichen Zukunftsfragen überhaupt. Die Antwort darauf kann daher nicht ausschließlich im Ausbau professioneller Systeme liegen, so wichtig diese auch bleiben. Wir brauchen ein neues Miteinander: Denn sorgende Gemeinschaften entstehen dort, wo Menschen Verantwortung teilen.
Im Bezirk Freistadt haben wir diesen Weg mit der Sozialregion Freistadt 2040 bewusst eingeschlagen. Mit dem Bezirksverein Wirknetz Alter (WAlter) wollen wir eine Klammer für den gesamten Bezirk schaffen, einen Rahmen, der Menschen, Gemeinden, Ehrenamt und professionelle Strukturen zusammenbringen soll. WAlter versteht sich nicht als weiterer Anbieter, sondern als Ermöglicher: dort, wo bereits viel Gutes geschieht, wollen wir sichtbar machen, vernetzen und stärken. Besonders wichtig ist mir dabei eines: Ehrenamt darf niemals Lückenbüßer eines Systems sein. Ehrenamt braucht Wertschätzung, Begleitung und gute Zusammenarbeit mit professionellen Diensten. Erst im Zusammenspiel entsteht echte Sicherheit.“
– Bezirkshauptfrau Freistadt Mag. Dr. Andrea Wildberger
„Eine gut funktionierende Sorgekultur ist ein entscheidender Beitrag zum Wohlbefinden im Alter. Um den künftigen Pflegebedarf bewältigen zu können, braucht es ein ausgewogenes Zusammenspiel aus professionellen Dienstleistungen, mobilen Angeboten, der Unterstützung pflegender Angehöriger und ergänzenden Initiativen vor Ort.
Mit unserem KuM – ‚Kümmern um’s Miteinander‘ – setzen wir in Kirchberg-Thening genau hier an. Der ehrenamtliche Besuchs- und Fahrdienst ist ein weiterer wichtiger Baustein in diesem System: Er hilft älteren Menschen, möglichst lange selbstständig zu bleiben, erleichtert die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und schützt vor Einsamkeit.
Mein besonderer Dank gilt allen freiwilligen Helferinnen und Helfern, die dieses wertvolle Angebot mit ihrem Engagement ermöglichen.“
– Bürgermeister Kirchberg-Thening Peter Michael Breitenauer
„OÖ Pflegestrategie 2040“ anhand von fünf Säulen
Mit der „OÖ Pflegestrategie 2040“ verfolgt das Sozialressort des Landes Oberösterreich eine gesamthafte Strategie, um die Herausforderungen im Pflegebereich gut bewältigen zu können. Mit der Fachkräftestrategie Pflege und der Gründung der OÖ Pflege- und BetreuungsManagement GmbH wurden die ersten beiden strategischen Schritte getan. Als dritter Schritt in dieser gesamthaften Pflegestrategie folgte die Betreuungsarchitektur 2040, mit der bestehende Systeme weiterentwickelt und mit neuen Betreuungsformen ergänzt wurden.

Betreuungsarchitektur 2040 mit flexiblem Baukastensystem
Die Betreuungsarchitektur 2040 markiert den Beginn eines langfristig angelegten Entwicklungsprozesses zur Begleitung, Betreuung und Pflege älterer Menschen.
Im Zentrum der Betreuungsarchitektur steht eine abgestufte, bedarfsorientierte Versorgung bis ins hohe Alter unter dem Leitsatz: „So viel Selbstständigkeit wie möglich, so viel Unterstützung wie nötig.“ Aus erprobten Versorgungsmodellen wurde durch das Sozialressort des Landes Oberösterreich, den OÖ Städtebund und den OÖ Gemeindebund ein flexibles „Baukastensystem“ geschaffen, mit dem die regionalen Träger sozialer Hilfe – Sozialhilfeverbände und Magistrate – die Pflege- und Betreuungslandschaft weiterentwickeln.Dieses Baukastensystem umfasst 10 Handlungsfelder – jenes der „Sorgenden Gemeinschaft“ spielt dabei eine zentrale Rolle.
Neue strategische Grundlagen – 10 Handlungsfelder

Die 7 Aktivitätsfelder „Sorgender Gemeinschaften“

Die zentralen Aktivitätsfelder umfassen:
- Gemeinschaft: Angebote wie Stammtische, Begegnungscafés, gemeinsame Mittagstische, Spaziergänge oder Besuchsdienste stärken soziale Kontakte und wirken Einsamkeit entgegen.
- Alltagsbewältigung: Niederschwellige Hilfen wie Einkaufsdienste, Unterstützung bei Formularen oder digitalen Anwendungen erleichtern den Alltag älterer Menschen.
- Mobilität: Fahrdienste, Mitfahrangebote oder Begleitungen helfen dabei, Arzttermine, Besorgungen oder gesellschaftliche Aktivitäten weiterhin wahrnehmen zu können.
- Wohnen und Leben zuhause: Nachbarschaftshilfe, soziale Betreuung in Wohnprojekten oder Unterstützung bei digitalen Alltagshilfen tragen dazu bei, möglichst lange selbstbestimmt zuhause leben zu können.
- Unterstützung pflegender Angehöriger und Betreuung: Gesprächsangebote, Angehörigentreffen, Besuchsdienste oder Informationen über Entlastungsangebote unterstützen Familien und pflegende Angehörige im Alltag.
- Gesundheit, Bewegung und Prävention: Bewegungsangebote, Gedächtnistrainings, Gesundheitsvorträge oder Sturzprävention fördern die körperliche und geistige Gesundheit im Alter.
- Information und Beratung: Informationsveranstaltungen und Orientierungshilfen erleichtern den Zugang zu Unterstützungs-, Pflege- und Betreuungsangeboten.
Best-Practice Beispiele als Vorbilder für „Sorgende Gemeinschaften“
Bereits erfolgreich umgesetzte Projekte in Oberösterreich zeigen, wie Sorgende Gemeinschaften in der Praxis funktionieren können. Diese erprobten Modelle dienen künftig als Orientierung für Gemeinden und sollen den Aufbau von Unterstützungs- und Betreuungsstrukturen vor Ort erleichtern.
-
WAlter – Wirknetz Alter Freistadt:
Mit dem „Wirknetz Alter Freistadt“ befindet sich ein bezirksweites Netzwerk im Entstehen, das in allen 27 Gemeinden des Bezirks Freistadt freiwilliges Engagement und Nachbarschaftshilfe stärkt. Ziel ist der Aufbau von Gemeinschaften, in denen Unterstützung niederschwellig und alltagsnah organisiert wird. Ehrenamtliche übernehmen kleinere Handgriffe, organisieren Mittagstische, unterstützen bei Besorgungen oder bieten Austauschmöglichkeiten und Entlastung für Angehörige an. Das Netzwerk soll künftig die Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Pfarren, und Vereinen koordinieren und freiwilliges Engagement weiter ausbauen. Durch Dasein, Beratung und auch über eine digitale Begleitung sollen nachhaltige Strukturen für ein solidarisches Miteinander erhalten und weiterentwickelt werden.
-
KUM – Kirchberg-Thening
In Kirchberg-Thening wurde im Rahmen eines „Agenda.Zukunft“-Prozesses ein Besuchsdienst aufgebaut, um Einsamkeit im Alter aktiv entgegenzuwirken. Organisiert wird das Angebot gemeinsam von der Gemeinde und dem Roten Kreuz. Freiwillige besuchen ältere Menschen regelmäßig und fördern soziale Kontakte im Alltag. Ergänzend sind weitere Unterstützungsangebote wie ein Fahrdienst oder ein Begegnungscafé geplant, um die soziale Teilhabe älterer Menschen weiter zu stärken.
-
AltNa(h)Und im Hansbergland – Seniorentagesbetreuung mit Herz:
Das Projekt „AltNa(h)Und“ ist ein gemeindeübergreifendes Tagesbetreuungsangebot mehrerer Gemeinden der Region Hansbergland. Die Betreuung findet in einer adaptierten Volksschule in St. Johann am Wimberg statt und wird an mehreren Tagen pro Woche von Fachkräften gemeinsam mit Ehrenamtlichen organisiert. Seniorinnen und Senioren erhalten dort Betreuung, soziale Kontakte und strukturierte Tagesangebote im vertrauten regionalen Umfeld. Durch die räumliche Nähe zur Volksschule werden bewusst generationenübergreifende Begegnungen gefördert und das Miteinander zwischen Jung und Alt gestärkt.
Nutzen für die Gesellschaft: „Sorgende Gemeinschaften“ stärken das Miteinander
Die bisherigen Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass von “Sorgenden Gemeinschaften“ die Gesellschaft insgesamt profitiert – insbesondere ältere Menschen, ehrenamtlich engagierte Personen, pflegende Angehörige sowie die Gemeinden selbst.
-
Für ältere Menschen bedeutet das:
- Länger selbstbestimmt in der vertrauten Umgebung leben zu können,
- aktive Einbindung in das Gemeindeleben,
- Unterstützung und Begleitung im Alltag sowie
- Schutz vor Einsamkeit und sozialer Isolation.
-
Auch ehrenamtliche Helfer profitieren:
- Sie übernehmen eine sinnvolle und gesellschaftlich wertvolle Aufgabe,
- erleben Gemeinschaft und persönliche Wirksamkeit,
- bleiben aktiv und eingebunden und
- gestalten das Zusammenleben in ihrer Gemeinde aktiv mit.
-
Für die Gemeinden ergeben sich daraus zahlreiche positive Effekte:
- Der soziale Zusammenhalt wird gestärkt und ehrenamtliches Engagement besser vernetzt,
- bestehende Angebote werden sinnvoll ergänzt und familiäre Strukturen entlastet,
- die Lebensqualität vor Ort steigt und
- die Bindung der Bürgerinnen und Bürger an ihre Gemeinde wird nachhaltig gestärkt.
Starthilfe zur Entwicklung durch das Regionalmanagement OÖ
Die Begleitung zum Start einer „Sorgenden Gemeinschaft“ erfolgt über das Regionalmanagement OÖ, finanziert vom Sozialressort des Landes Oberösterreich. Berücksichtigt werden dabei die unterschiedlichen Voraussetzungen in städtischen und ländlichen Regionen, um passgenaue Lösungen für die Gemeinden zu ermöglichen. Die Bezeichnung der jeweiligen sorgenden Gemeinschaft kann von den Gemeinden frei gewählt werden und an die regionalen Besonderheiten sowie bestehenden Strukturen angepasst werden. Ziel für 2026 sind 30 Initiativen in ländlichen Regionen.
Auszeichnung von „Sorgenden Gemeinschaften“ – Prämierung von Vorbildern
Mit der neuen Auszeichnung „Sorgende Gemeinschaften“ sollen Gemeinden und Initiativen vor den Vorhang geholt werden, die erfolgreich eine solche Struktur aufgebaut haben. Die Kriterien dafür orientieren sich an bestehenden Gemeindezertifizierungen und umfassen insbesondere:
- Verankerung in der Gemeinde durch klare Zuständigkeiten und Zusammenarbeit mit regionalen Partnern
- Aufbau nachhaltiger organisatorischer Strukturen und funktionierender Netzwerke vor Ort
- Vorhandensein einer koordinierenden Ansprechperson („Kümmerer“) als zentrale Drehscheibe der sorgenden Gemeinschaft
- Umsetzung konkreter Maßnahmen und Angebote in mehreren Aktivitätsfeldern
- Aktive Einbindung der Bevölkerung und Stärkung generationenübergreifenden Ehrenamts
- Bedarfsorientierte Unterstützung älterer Menschen und ihrer Angehörigen
- Klare rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen für Ehrenamtliche
- Teilnahme an einem strukturierten Auszeichnungs- und Weiterentwicklungsprozess
Die Auszeichnung bringt für Gemeinden mehrere Vorteile mit sich:
- Stärkung des sozialen Zusammenhalts vor Ort
- Sichtbarmachung und Wertschätzung ehrenamtlichen Engagements
- Positionierung als lebenswerte und zukunftsorientierte Gemeinde
- Vorzeigebeispiele und Orientierung für andere Gemeinden in Oberösterreich
