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OÖ Hausordnung: Sondertopf für Zusammenhalt und klare Regeln

Land OÖ unterstützt Hotspot-Gemeinden und Vereine bei der Umsetzung von Integrationskonzepten

„Für uns ist klar: Integration bedeutet eine Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft – nicht umgekehrt. Das heißt nicht, dass man seine Herkunft verleugnen muss. Aber: Wer in Oberösterreich lebt, muss unsere Werte, Regeln und unsere Lebensweise akzeptieren. Gleichzeitig wissen wir, dass Integration dort am besten gelingt, wo es klare Leitlinien und konkrete Unterstützung vor Ort gibt.

Mit unserem neuen Fördertopf stärken wir gezielt jene Gemeinden und Vereine, die Verantwortung übernehmen und aktiv an einem funktionierenden Miteinander arbeiten. Sie sind es, die die OÖ Hausordnung mit Leben erfüllen, Orientierung geben und den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Alltag sichtbar machen.“

– Integrations-Landesrat Dr. Christian Dörfel

 

„Sprache ist der Schlüssel zu Integration, daher setzen wir in Steyr auf zielgruppengerechte Hilfe beim Deutschlernen. Ehrenamtliche unterstützen als Lesepat/innen Volksschulkinder, Mittelschüler/innen erhalten Hilfe bei der Hausübung, es gibt Sommer-Sprach-Camps für Kinder und niederschwellige Konversationskurse für Eltern. Mit dem Netzwerk „Zusammenleben in Steyr“ fördern wir das gesellschaftliche Miteinander aller Menschen in unserer Stadt, getragen von den Grundsätzen Inklusion, Diversität, Weltoffenheit, Toleranz und Gerechtigkeit.“

– Michael Schodermayr, Vizebürgermeister der Stadt Steyr

 

„In einer Gemeinde mit nur 56% Österreicher-Anteil stellt sich das Zusammenleben in gewissen Bereichen oft schwierig dar, sei es bei Meldevorgängen am Amt, im Alltag bei Themen wie Mülltrennung, aber auch im Bereich der Kinderbetreuung (Kindergarten, Schulen). Ein unumstrittener Punkt ist hier das Thema Sprache. Ich bin froh, dass ich seit meinem Amtsantritt von der Integrationsservicestelle des Landes unterstützt werde, das Thema Integration nicht zu ignorieren oder unter den Teppich zu kehren, sondern aktiv anzugehen.

Mit der Hausordnung für Oberösterreich gibt es ein Regelwerk, an das sich alle gleichermaßen zu halten haben und das niemanden ausnimmt. Die Hausordnung liefert eine Anleitung zum harmonischen konfliktfreien Zusammenleben, dem unsere Traditionen und Werte zu Grunde liegen. Mit dem Gemeindetopf erhoffen wir uns hier die finanzielle Unterstützung um Integrationsprogramme in Sport, Kultur und Bildung voranzutreiben, um für ein gelungenes Miteinander zu sorgen.“

– Daniel Lang, Bürgermeister der Stadt Mattighofen

 

Deutsch, Arbeit und Respekt – die Leitlinien der Integration in Oberösterreich

Das Land Oberösterreich verfolgt in der Integrationsarbeit einen klaren Grundsatz: Deutsch lernen, Arbeit finden, Respekt zeigen. Wer Schutz erhält, soll so rasch wie möglich am gesellschaftlichen Leben teilhaben – vor allem durch Arbeit. Dieser Grundsatz wurde im oberösterreichischen Integrationsbild festgeschrieben.

Demzufolge verläuft die Integration in Oberösterreich nach folgendem Stufenbau:

  1. Grundregel- und Orientierungskurse ab Tag 1 in Asylquartieren:
    Für Asylwerber, die nach Oberösterreich kommen, vermitteln Grundregel- und Orientierungskurse die grundlegenden Regeln und Erwartungen des Zusammenlebens in Oberösterreich. Die Teilnahme daran ist Pflicht.
  1. Deutscherwerb und Arbeitsmarktvorbereitung:
    Für Asylwerber mit hoher Bleibeperspektive steht der Erwerb der deutschen Sprache sowie die schrittweise Heranführung an den Arbeitsmarkt im Mittelpunkt.
  1. Drittstaatsangehörige und Asylberechtigte:
    Für jene, die dauerhaft in Oberösterreich bleiben dürfen, hat die eigenständige Existenzsicherung – insbesondere durch den Einstieg in den Arbeitsmarkt – oberste Priorität.

 

OÖ Hausordnung als Grundlage für ein gelingendes Zusammenleben

Bei der Umsetzung der dritten Säule „Respekt“ spielt die Ausrollung der OÖ Hausordnung eine wesentliche Rolle. Sie versteht sich als „kleines 1×1 des Zusammenlebens“ und soll Orientierung für alle Menschen in Oberösterreich geben – unabhängig davon, ob sie hier geboren wurden oder neu zugewandert sind. Sie basiert auf klaren Regeln, die für alle gelten: Deutsch als gemeinsame Sprache, gegenseitiger Respekt, die Akzeptanz von weiblicher Autorität, der Vorrang des staatlichen Rechts vor religiösen Regeln sowie die Bereitschaft, durch Arbeit und Leistung zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beizutragen. Zugleich macht die Hausordnung deutlich, dass es in Oberösterreich keine Toleranz gegenüber Integrationsverweigerung, demokratiefeindlichen Einstellungen oder Hass und Gewalt geben kann.

In folgenden Richtlinien des Landes Oberösterreich wurde die OÖ Hausordnung bereits integriert:

  • Allgemeine Förderrichtlinien des Landes Oberösterreich
  • Förderrichtlinien der offenen Jugendarbeit (Jugendzentren)
  • Deutschförderrichtlinien
  • Richtlinien für Grundwerte und Orientierungskurse
  • Arbeitsprogramm des Integrationsservice

 

Gezielter Schwerpunkt in Hotspot-Gemeinden

Gemäß § 18b der OÖ Gemeindeordnung ist in jeder oberösterreichischen Gemeinde ein Ausschuss für Integrationsangelegenheiten einzurichten. Das Land Oberösterreich unterstützt die Gemeinden bei der Integrationsarbeit mit dem Integrationsservice OÖ.

Der Integrationsdruck ist in Oberösterreich jedoch sehr unterschiedlich verteilt, weshalb bestimmte Hotspot-Gemeinden – landesweit etwa 40 Gemeinden und Städte – bei der Umsetzung von Maßnahmen besonders unterstützt werden.

In Wels (Stadt), wo 36,6 % der Bevölkerung im Ausland geboren sind, Linz (Stadt) mit 33,7 % oder Steyr (Stadt) mit 26,6% ist Integration eine zentrale Herausforderung, da hier sowohl der Bedarf an Deutschförderung, Bildungs- als auch Beschäftigungsangeboten besonders hoch ist. Auch Linz Land zählt mit 22,4 % zu jenen Regionen, die einen überdurchschnittlichen Integrationsbedarf aufweisen.

Im starken Kontrast dazu stehen ländlich geprägte Bezirke wie Urfahr-Umgebung (7,9 %) oder Freistadt (5,5 %). Aber selbst in den Landbezirken gibt es Gemeinden mit einem hohen Anteil der im Ausland geborenen Bevölkerung. Ein Beispiel hierfür ist etwa Attnang-Puchheim (38,7%), das im Gegensatz zum Bezirk Vöcklabruck (15,9%) einen sehr hohen Migrationsanteil hat.

Auf kommunaler Ebene sind es Gemeinden bzw. Städte wie Mattighofen (44,5%),  Attnang-Puchheim (38,7%), Traun (38,6%) oder Ansfelden (37,8%) die mit einem sehr hohen Anteil von Bürger mit nicht-deutschsprachiger Herkunft konfrontiert sind.

Mit dem neuen Fördertopf wird daher die Umsetzung von Integrationskonzepten, die direkt von den betroffenen Gemeinden und Städten entwickelt werden, unterstützt und gefördert. Voraussetzung für eine Förderung ist, dass die Maßnahmen der Ausrollung der OÖ Hausordnung dienen und in den Integrationskonzepten der jeweiligen Gemeinden und Städten durch einen Gemeinderatsbeschluss verankert werden.

 

Sonderförderung für Zusammenhalt und klare Regeln

Zusätzlich zu den bestehenden Fördermaßnahmen im Integrationsressort unterstützt der neue Fördertopf gezielt Hotspot-Gemeinden – also Gemeinden mit einem Bevölkerungsanteil von mehr als 20 Prozent Menschen nichtdeutscher Muttersprache – sowie Vereine dabei, die Grundsätze der oberösterreichischen Integration vor Ort zu verankern. Für das Jahr 2026 stellt das Land Oberösterreich dafür ab Mitte Mai vorläufig insgesamt 250.000 Euro zur Verfügung.

 

Ziel:

  • Unterstützung von Maßnahmen zur Vermittlung und Stärkung gemeinsamer Werte für ein respektvolles und friedliches Zusammenleben in Oberösterreich
  • Grundlage ist die „OÖ Hausordnung – das kleine 1×1 des Zusammenlebens“

 

Förderungsgegenstand:

  • Gefördert werden Projekte und Maßnahmen zur Umsetzung der OÖ Hausordnung, insbesondere zu:
    • Orientierung im Alltag (z.B. Arzt, Behördengänge, Lärm, Mülltrennung)
    • Respekt, Eigenverantwortung und Gewaltprävention
    • Rolle der Frau in unserer Gesellschaft (Selbstbestimmung, Erwerbsarbeit, Führungsposition)
    • Verhinderung und Aufbrechen von Parallelgesellschaften
    • Arbeit, Leistung und gesellschaftlicher Zusammenhalt
    • Interkultureller Dialog und Ehrenamt
    • Elternverantwortung

 

Förderungswerber:

  • Kategorie 1: Vereine und Ehrenamt (keine politische und religiöse Vereine)
  • Kategorie 2: Hotspot-Gemeinden (mehr als 20 Prozent Menschen nichtdeutscher Muttersprache)

 

Fördervoraussetzungen:

  • Klarer Bezug zur Oö. Hausordnung
  • Umsetzung der Maßnahme in Oberösterreich
  • Beschluss durch den Gemeinderat bzw. des Vereinsvorstandes
  • Abschluss der Maßnahme innerhalb des Kalenderjahres nach Förderzusage
  • Keine Doppelförderung (Fachförderung hat Vorrang)

 

Art und Höhe der Förderung:

  • Gesamtvolumen: 250.000 Euro
  • 90 Prozent der Projektkosten
  • Maximal 5.000 Euro pro Projekt

 

Einreichzeitraum:

  • 15. Mai bis 15. September 2026

 

„Zusammenleben in Steyr“ als gelungenes Beispiel für Integrationskonzept

Die Stadt Steyr hat frühzeitig die Problemlage des hohen Integrationsdrucks erkannt und mit einem umfassenden Integrationskonzept entgegengesteuert. „Zusammenleben in Steyr“ besteht seit 2016 aus drei Netzwerken (Bildung und Familien / Begegnung, Freizeit & Kultur / Wohnen) in denen die Stadt eng mit Vereinen, Schulen und anderen Einrichtungen zusammenarbeitet.

 

Vereine als Motor der Integration

Ein weiterer Schwerpunkt des Fördertopfes liegt auf der Unterstützung von Vereinen und Organisationen, die mit konkreten Maßnahmen und Projekten einen Beitrag zur Umsetzung der OÖ Hausordnung im Rahmen ihrer Vereinsarbeit leisten. Gerade Vereine sind wichtige Orte des Zusammenlebens, weil Menschen unterschiedlicher Herkunft dort gemeinsam aktiv sein und Kontakte entstehen können. Aktuelle Umfragen zeigen, dass Integration am Arbeitsplatz sowie im näheren Umfeld (Nachbarschaft, Vereine,..) passiert.

Besonders in Teamsportarten wie Fußball, Handball oder Basketball kommen Mitspieler aus unterschiedlichen Nationen, Kulturen und sozialen Hintergründen zusammen. Gemeinsames Training, Regeln, Verlässlichkeit und Teamgeist fördern dabei nicht nur die Integration, sondern auch Werte wie Respekt, Leistungsbereitschaft und Zusammenhalt. Vereine übernehmen damit eine wichtige Rolle, um Zugewanderte frühzeitig in die Gemeinschaft einzubinden und Begegnungen auf Augenhöhe zu ermöglichen.

 

Förderwürdige Projekte können sein:

  • Social-Media-Challenges für Jugendliche zum Thema „Respekt”
  • Sprache verbindet: Niederschwellige Lernformate der Umgangssprache in der Gemeinde in Kombination mit sozialen Treffpunkten / Tandemprogramme
  • Werte leben – Gemeindedialoge: Moderierte Dialogformate zu Themen der Hausordnung und Ergebnisdokumentation für den Gemeinderat
  • Sicher & respektvoll – Prävention von Extremismus: Workshops für Kinder und Jugendliche zu dem Thema / Einbindung von Role-Models
  • Sichtbarmachung der OÖ Hausordnung im öffentlichen Raum: Piktogramme und weitere Formen der Sichtbarmachung im öffentlichen Raum (z.B.: Freibäder, Parkanlagen, etc.)

 

Jedenfalls ist festzuhalten, dass ausschließlich jene Projekte und Maßnahmen gefördert werden, die im Einklang mit den Integrationsbemühungen des Landes Oberösterreichs und der jeweiligen Gemeinde stehen.

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