Neue Förderrichtlinie stärkt offene Jugendarbeit in Oberösterreich
„Die offene Jugendarbeit ist eine wertvolle Ergänzung zur Jugendarbeit in den Vereinen und eine wichtige Investition in die Zukunft unseres Landes. Jugendzentren sind Orte, an denen junge Menschen Vertrauen, Orientierung und Gemeinschaft finden. Hier entstehen Beziehungen, hier werden Konflikte gelöst und hier lernen Jugendliche oft Fähigkeiten, die sie ein Leben lang begleiten. Um diese wichtige Arbeit zukunftssicher zu machen, haben wir das Förderbudget für Jugendzentren um rund 20 Prozent angehoben und die Förderungen an klare Qualitätsstandards geknüpft: Verbindliche Kinderschutzkonzepte, fachlich qualifiziertes Personal sowie die landesweite Verankerung der ‚OÖ Hausordnung‘ machen die außerschulische Jugendarbeit zukunftsfit.“
– Jugend-Landesrat Dr. Christian Dörfel
„Die neue Richtlinie baut auf vier zentralen Schwerpunkten auf, die eine zeitgemäße, verantwortungsvolle und nachhaltige Jugendarbeit in Oberösterreich sicherstellen sollen. Damit schaffen wir klare und verlässliche Rahmenbedingungen für die Jugendzentren in Oberösterreich. Unser Ziel ist es, Qualität, Sicherheit und Professionalität in der offenen Jugendarbeit weiter zu stärken und Jugendliche auf dem Weg des Erwachsenwerdens zu begleiten.“
– Christa Pacher-Gratzer, Leiterin des JugendService des Landes OÖ
„Jugendzentren sind heute unverzichtbare Orte der Begleitung, Krisenintervention und Lebensschule. Wir begegnen den Jugendlichen auf Augenhöhe – ohne Notendruck oder Erwartungshaltungen der Eltern. Wenn wir beispielsweise gemeinsam kochen, geht es um mehr als das Sättigen. Wir vermitteln Alltagskompetenzen: Wie plane ich einen Einkauf mit wenig Geld? Wie sieht gesunde Ernährung aus? Und vor allem: Wie wertvoll ist das soziale Erlebnis, gemeinsam an einem Tisch zu essen?“
– Mag. Karin Peham-Strauß, Vorsitzende des Netzwerks der offenen Jugendarbeit in OÖ (OÖJA)
Offene Jugendarbeit: zentrale Säule für soziale Stabilität
Mit einer neuen Förderrichtlinie stärkt das Land Oberösterreich die offene Jugendarbeit nachhaltig. Mehr Fördermittel, verbindliche Qualitätsstandards, verpflichtende Weiterbildung für Mitarbeitende sowie verbindliche Kinderschutzkonzepte sichern, dass Jugendzentren stabile Anlaufstellen für junge Menschen bleiben. Gleichzeitig schafft die „OÖ Hausordnung – das 1×1 des Zusammenlebens“ ein klares Fundament für Wertevermittlung und respektvolles Miteinander. Ziel ist es, professionelle Jugendarbeit langfristig abzusichern und Jugendlichen Räume für Entwicklung, Orientierung und Teilhabe zu bieten.
Jugendzentren und Jugendtreffs sind weit mehr als Freizeitorte. Sie erfüllen eine zentrale gesellschaftliche Funktion: Sie fördern Stabilität, Zusammenhalt und Zukunftsfähigkeit. Wer heute in Jugendarbeit investiert, stärkt die soziale Infrastruktur des Landes. Oberösterreich verfügt mit knapp 150 Jugendzentren und Jugendtreffs über ein starkes Netz an Einrichtungen für junge Menschen. Damit befinden sich österreichweit knapp 25 % aller Jugendzentren in unserem Bundesland.
Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche – geprägt von Digitalisierung, Leistungsdruck, globalen Krisen und sozialen Unsicherheiten – zeigt sich die Bedeutung verlässlicher Orte für junge Menschen. Offene Jugendarbeit bietet Orientierung, fördert Alltagskompetenzen und ermöglicht vertrauensvolle Beziehungen jenseits von Schule, Familie oder Leistungsanforderungen. Diese Orte sind damit eine unverzichtbare Ergänzung dazu. Jugendzentren sind damit auch Räume, in denen Jugendliche für’s Leben lernen.
Prävention statt „Feuerlöschen“
Offene Jugendarbeit ist für viele eine wichtige Unterstützung. Studien belegen: Frühe Investitionen in zeitgemäße Angebote, verlässliche Bezugspersonen und die Förderung sozialer Kompetenzen verhindern spätere gesellschaftliche Folgekosten. Jugendzentren stärken Selbstvertrauen, Konfliktfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein – Kompetenzen, die jungen Menschen helfen, Herausforderungen konstruktiv zu bewältigen.
Investitionen in Prävention sind sowohl sozialpolitisch sinnvoll als auch volkswirtschaftlich effizient: Jeder in Jugendarbeit investierte Euro spart laut aktuellen Berechnungen mindestens 2,62 Euro an späteren Folge- und Reparaturkosten (Gesundheit, Bildung, Arbeit, Soziales, Sicherheit).
Orte der Integration und des Zusammenhalts
Darüber hinaus fördern Jugendzentren gesellschaftlichen Zusammenhalt. Besonders im städtischen Raum treffen junge Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen aufeinander. Viele Einrichtungen werden stark von Jugendlichen mit Migrationshintergrund genutzt. Integration geschieht hier konkret im Alltag – durch Begegnung, gemeinsame Erfahrungen und das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein.
Jugendzentren sind Orte gelebter Demokratie: Jugendliche erfahren Mitgestaltungsmöglichkeiten, lernen Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und erleben, dass Konflikte respektvoll ausgetragen werden können. Frühwarnfunktionen der Fachkräfte helfen zudem, Herausforderungen wie psychische Belastungen oder soziale Isolation rechtzeitig zu erkennen und aufzugreifen.
All diese Aspekte zeigen: Offene Jugendarbeit ist kein Luxus und kein Randthema. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil einer verantwortungsvollen Jugendpolitik und einer vorausschauenden Gesellschaftspolitik insgesamt. Gerade deshalb ist es dem Land Oberösterreich ein großes Anliegen, gemeinsam mit den Gemeinden und den engagierten Trägervereinen stabile Rahmenbedingungen für diese Arbeit zu sichern.
Das zweite Zuhause am Nachmittag
Jugendzentren öffnen am Nachmittag ihre Türen als zweites Zuhause. Sie sind niederschwellige Orte, die Jugendliche in vielfältigen Lebenslagen begleiten:
- Konflikte im Elternhaus: Trennungen oder Überforderung der Erziehungsberechtigten.
- Schul- und Zukunftsängste: Druck, der bis hin zu totaler Verweigerung führt.
- Psychische Belastungen: Einsamkeit, Ausgrenzung oder Suchttendenzen.
- Armut und Hunger: Ein Thema, das in den letzten Jahren drastisch zugenommen hat.
Praktische Projekte wie gemeinsames Kochen, Reparatur- oder Fahrradwerkstätten sowie kulturelle und sportliche Angebote fördern Selbstwirksamkeit und Alltagskompetenzen. Für benachteiligte Jugendliche sind genau diese Erfolgserlebnisse oft der erste Schritt, um später auch am Bildungs- und Arbeitsmarkt wieder Fuß fassen zu können.
Eine besondere Rolle spielen Jugendzentren für sogenannte NEETs (Not in Education, Employment, or Training). In Oberösterreich betrifft dies laut Statistik Austria rund 10,5 Prozent der jungen Menschen. Viele von ihnen werden von klassischen Bildungs- oder Beratungsstrukturen kaum mehr erreicht. Jugendzentren können hier als niederschwellige Kontaktstelle wirken und soziale Isolation verhindern. Damit leisten Jugendzentren einen wichtigen Beitrag zur Integration und Toleranz.
Vier Schwerpunkte für eine starke Jugendarbeit
Die neue Richtlinie zur Förderung des laufenden Aufwandes von Jugendzentren und Jugendtreffs ist seit Jahresbeginn in Kraft. Die Förderung erfolgt über das JugendService des Landes Oberösterreich.
Die Richtlinie basiert auf vier Schwerpunkten:
- Fachliche Qualifikation: Geschulte Mitarbeitende als Grundlage professioneller Jugendarbeit.
- Gemeinsame Werte: OÖ Hausordnung als Leitfaden für respektvolles Zusammenleben.
- Kinderschutzkonzepte: Sorgen für ein sicheres Umfeld in allen Einrichtungen.
- Transparente Finanzierung: Nachvollziehbare und faire Kriterien für die Verteilung der Landesmittel.
Fachliche Qualifikation
Fachliche Qualifikation der Betreuungspersonen ist Voraussetzung für eine Förderung. Die Anforderungen an diese Qualifikation sind breit gefächert und reichen von Sozialberatungsberufen bis hin zu spezifischen Ausbildungen im Bereich der Jugendarbeit. Besonders hervorzuheben ist dabei der Diplomlehrgang für außerschulische Jugendarbeit des JugendService (www.jugendservice.at/diplomlehrgang). Dieser Lehrgang vermittelt das notwendige Rüstzeug – von pädagogischen Grundlagen über Konfliktmanagement bis hin zu rechtlichen Rahmenbedingungen. Zusätzlich sieht die Richtlinie eine verpflichtende jährliche Weiterbildung für Mitarbeitende von Jugendzentren vor. Das JugendService bietet dafür unter www.jugendservice.at/seminar ein breites Spektrum an Schulungen sowie eine Fachtagung an, um die Jugendarbeitenden stets auf dem neuesten Stand von Wissenschaft und Praxis zu halten.
Gemeinsame Werte
Weil die Gesellschaft bunter wird, braucht es eine Klammer, die sie zusammenhält, und klare Regeln für ein respektvolles Miteinander. Darum ist auch die OÖ Hausordnung ein wichtiger Teil der neuen Förderrichtlinie. Werte wie Gleichberechtigung, Dialogbereitschaft, gegenseitiger Respekt, Leistungsbereitschaft und ehrenamtliches Engagement werden im Alltag vermittelt und gelebt, was Integration und sozialen Zusammenhalt auf Gemeindeebene stärkt. Dieses „1×1 des Zusammenlebens“ soll daher nicht nur als Plakat an der Wand hängen. In den Einrichtungen sollen diese Werte im Alltag vermittelt und vor allem auch gelebt werden, um damit einen wesentlichen Beitrag zur Integration und zum sozialen Zusammenhalt in den Gemeinden zu leisten.
Kinderschutzkonzepte
Sie stellen sicher, dass Schutz und Prävention gelebte Praxis sind. Das Vorhandensein bzw. die Implementierung eines eigenen Kinderschutzkonzepts ist künftig Voraussetzung für eine Förderung. Angesichts der Sensibilität des Arbeitsfeldes ist es unerlässlich, dass jede Einrichtung klare Abläufe und Präventionsmaßnahmen gegen jede Form von Gewalt oder Übergriffigkeit etabliert hat. Das JugendService unterstützt die Zentren dabei durch Beratung und spezifische Schulungen. Ziel ist es, dass diese Konzepte nicht nur auf dem Papier bestehen, sondern als gelebte Schutzkultur in den Einrichtungen verankert werden.
Transparente Finanzierung
Für die Förderung der Jugendzentren stellt das Land Oberösterreich insgesamt mehr Fördermittel zur Verfügung als bisher. Die Förderung orientiert sich an Öffnungszeiten, Personaleinsatz, Veranstaltungskosten und Betriebskosten und ist gedeckelt mit einem Betrag von maximal 15.700 € pro Standort.
Die neue Fördersystematik stärkt insbesondere Einrichtungen mit umfangreichen Angeboten und langen Öffnungszeiten durch eine höhere Unterstützung. Ziel ist es, möglichst vielen jungen Menschen einen niederschwelligen Zugang zu Jugendzentren zu ermöglichen und damit die Jugendarbeit in den Gemeinden nachhaltig zu stärken.
Das Antragsformular sowie die Förderrichtlinie sind abrufbar unter: www.jugendservice.at/juz
Über das JugendService des Landes OÖ
Das JugendService des Landes Oberösterreich ist die erste Anlaufstelle für Jugendliche zwischen 12 und 26 Jahren. Mit 14 Informationsstellen in Oberösterreich bietet es vertrauliche und kostenlose Information zu Arbeit, Bildung, Europa, Gesundheit und Recht. Zudem fungiert das JugendService als Fachstelle und Kompetenzzentrum für die außerschulische Jugendarbeit und unterstützt Gemeinden und Vereinen durch Beratung, Fortbildung und Förderabwicklung.
