Aktuelles.

Inklusives Oberösterreich: Mut zu neuen Wegen

Angehörigentag setzt Impulse für mehr Teilhabe in der Gesellschaft

 

„Für uns ist ganz klar: Menschen mit Beeinträchtigungen sollen möglichst selbstbestimmt in der Mitte unserer Gesellschaft leben können. Dafür schaffen wir die passenden Rahmenbedingungen – mit unterschiedlichen Wohnformen, beruflichen Perspektiven und der nötigen Unterstützung der Familien, die sich hingebungsvoll um ihre Liebsten kümmern. Mit der heutigen Angehörigentagung möchten wir über Angebote informieren und Mut machen, neue Wege zu bestreiten. Gleichzeitig geben wir allen die Sicherheit: Entwicklung darf erprobt werden – falls es nicht klappt, ist der Weg zurück jederzeit möglich.“

– Sozial-Landesrat Dr. Christian Dörfel

„Wir müssen die von uns begleiteten Menschen ermutigen, sich zu trauen selbstständig zu handeln – beim Wohnen, beim Arbeiten und in der Freizeit. Um Selbstbestimmung zu ermöglichen, dürfen wir als Angehörige mutig sein, neue Wege auszuprobieren. Das sind wichtige Schritte zu mehr Selbstbestimmung und Selbstständigkeit. Als Bruder einer Frau mit Beeinträchtigung weiß ich: Unser oberstes Ziel ist, dass es unseren Angehörigen gut geht und dass es, wenn notwendig, ein Sicherheitsnetz gibt. Die Beispiele bei der heutigen Angehörigentagung zeigen, wie es gehen kann und machen Mut, Neues auszuprobieren. Angehörige von Menschen mit Beeinträchtigung gestalten die Lebenshilfe Oberösterreich noch heute wesentlich aktiv mit. Die Lebenshilfe Oberösterreich wurde vor 56 Jahren als Elterninitiative gegründet und wird noch heute als Verein geführt. Die Lebenshilfe Oberösterreich ist der größte Träger der OÖ-Behindertenhilfe mit über 1.700 Mitarbeiter:innen und begleitet mehr als 2.000 Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung. Wir sind auch Sprachrohr für die Angehörigen von Menschen mit Beeinträchtigung. Daher war und ist es uns ein Anliegen, die heutige Angehörigentagung gemeinsam mit der Sozialabteilung des Landes Oberösterreich auszurichten.

– DI Stefan Hutter, Präsident Lebenshilfe OÖ

„Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die nur gemeinsam gelingen kann. Angehörige und Mitarbeiter in Einrichtungen sind wichtige Begleiter auf diesem Weg. Sie sind Unterstützer,Mutmacher und zugleich ein Sicherheitsanker, wenn Hürden auftauchen. Wir als Land Oberösterreich haben den Auftrag Strukturen sicherzustellen, die diesen Weg erleichtern. Zu den Aufgaben zählen Sensibilisierungsmaßnahmen in der Bevölkerung zu setzen, um eine Gesellschaft vorzufinden, die Teilhabe leisten kann. Ein gemeinsames Tun in der Freizeit, bei der Arbeit oder sonstigen Aktivitäten in einer Gemeinde.ermöglicht fast wie nebenbei eine inklusive Gemeinschaft.

– Mag. Renate Hackl, Leiterin Gruppe Leistungen für Menschen mit Beeinträchtigungen, Land Oberösterreich

„Schon als unser beeinträchtigter Sohn, Max, noch ein Kind war, war für mich klar, dass er mit 18 Jahren in eine Wohngemeinschaft ziehen wird. Man muss Kinder loslassen, auch wenn sie beeinträchtigt sind, war ich mir sicher.
Als Max jedoch 17 Jahre alt war, drängten sich viele Sorgen und Ängste diesbezüglich in den Vordergrund: Unseren Max loslassen? Ein Kind mit Beeinträchtigung, das rund um die Uhr auf Unterstützung, Pflege und Aufsicht angewiesen ist? Wie soll das funktionieren? Dauerhaft, nicht nur ein Feriencamp lang? Auf der anderen Seite mussten wir uns eingestehen, dass wir Max in seiner Entwicklung nicht unbedingt förderten. Wir nehmen ihm viel zu viel ab, jeder Handgriff sitzt und wird nicht hinterfragt. Als wir uns auf den behördlichen Weg Richtung Wohnplatz machten, meinte die zuständige Person: „Ich finde es schön, dass Sie Max die Chance bieten, sich weiterzuentwickeln.“ Heute sind wir dankbar, dass Max einen Platz in einer vollbetreuten Wohngemeinschaft bekommen hat. Er fordert, doch er fühlt sich wohl und jedes Mal, wenn wir ihn sehen, stellen wir fest: „Wie ist er doch gewachsen in dieser Zeit.“

– Mag. Birgit Kubik, Autorin und betroffene Mutter

 

Die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen am gesellschaftlichen Leben ist ein zentrales Anliegen des Sozialressorts des Landes Oberösterreich. Ziel ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die ein möglichst selbstbestimmtes Leben mit so viel Unterstützung wie notwendig ermöglichen. Im Mittelpunkt stehen dabei drei zentrale Lebensbereiche: Wohnen, Arbeit und Ehrenamt.

Inklusion gelingt nicht ohne das soziale Umfeld. Angehörige leisten hier tagtäglich einen unverzichtbaren Beitrag und tragen große Verantwortung. Mit der Angehörigentagung, die heuer zum zweiten Mal stattfindet, setzt das Land Oberösterreich ein bewusstes Zeichen der Wertschätzung und Information. Ziel ist es, Perspektiven aufzuzeigen, Ängste abzubauen und aufzuzeigen, dass Entwicklung individuell verläuft – mit der nötigen Sicherheit, professioneller Begleitung und verlässlichen Rahmenbedingungen. Oberösterreich versteht Inklusion nicht als Einzelmaßnahme, sondern als langfristigen Gestaltungsauftrag: für ein Miteinander, das auf Würde, Selbstbestimmung und echter gesellschaftlicher Teilhabe basiert.

 

Ablauf der Angehörigentagung:

  • 14:00–15:00 Uhr: Beratungsangebote vor Ort
    Zum Auftakt der Veranstaltung stehen zentrale Anlaufstellen für persönliche Gespräche zur Verfügung. Vertreterinnen und Vertreter folgender Institutionen informieren über Unterstützungsangebote, Fördermöglichkeiten und individuelle Perspektiven:

    • Bildungsdirektion Oberösterreich
    • Inklusionsservice OÖ
    • Senia
    • Sozialabteilung des Landes Oberösterreich
    • Sozialministeriumservice
      Damit wird den Angehörigen bereits zu Beginn die Möglichkeit gegeben, konkrete Fragen zu klären und individuelle Anliegen direkt mit Expertinnen und Experten zu besprechen.
  • 15:00 Uhr: Offizielle Eröffnung
    Die Tagung wird durch Sozial-Landesrat Dr. Christian Dörfel sowie den Präsidenten der Lebenshilfe OÖ, DI Stefan Hutter, eröffnet. Im Mittelpunkt stehen dabei die Bedeutung von Selbstbestimmung, die Rolle der Angehörigen als wichtige Partner sowie die Verantwortung des Landes, passende Rahmenbedingungen für Wohnen, Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe zu schaffen.
  • Impulsvortrag: „Erfahrungen einer Mutter“
    Im Anschluss gibt Birgit Kubik, Autorin und Mutter eines Kindes mit Beeinträchtigung, persönliche Einblicke in ihre Erfahrungen. Der Impulsvortrag verbindet persönliche Perspektiven mit gesellschaftlichen Fragestellungen und setzt einen emotionalen wie fachlichen Impuls für die anschließenden Gespräche.
  • Themengespräche: Arbeit, Wohnen und Ehrenamt
    In moderierten Gesprächsrunden werden drei zentrale Lebensbereiche vertieft:

    • Arbeit und Inklusion
    • Wohnen und Inklusion
    • Ehrenamt und Inklusion
      Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten praxisnahe Informationen über bestehende Angebote und neue Entwicklungen in Oberösterreich. Gleichzeitig bietet das Format Raum für Austausch und Fragen.
  • 17:00 Uhr: Ausklang und Vernetzung
    Beim gemeinsamen Ausklang mit Imbiss besteht die Möglichkeit zur weiteren Vernetzung und zum informellen Austausch zwischen Angehörigen, Expertinnen und Experten sowie Vertreterinnen und Vertretern der Institutionen. Die Moderation der Veranstaltung übernehmen Mag. Birgit Brunsteiner und Franziska Mitter.

 

Passgenaues Wohnen für mehr Selbstständigkeit

Ein selbstbestimmtes Leben beginnt bei den eigenen vier Wänden. Mit dem Ausbauprogramm 2026/27 setzt Oberösterreich einen weiteren Meilenstein im Bereich Wohnen für Menschen mit Beeinträchtigungen. Insgesamt werden 200 neue, bedarfsgerechte Wohnplätze geschaffen, die individuelle Betreuung mit größtmöglichem Freiraum verbinden.
Im Fokus stehen dabei neue Modelle des „passgenauen Wohnens“. Ziel ist es, Menschen je nach persönlicher Entwicklung und Unterstützungsbedarf jene Wohnform anzubieten, die ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen entspricht – von vollbetreuten Einrichtungen bis hin zu stärker selbstständigen Wohnformen mit begleitender Unterstützung.
Seit 2017 wurden in Oberösterreich rund 1.000 neue Wohnplätze geschaffen. Damit unterstreicht das Land sein kontinuierliches Engagement für ein Leben in Würde, Sicherheit und gesellschaftlicher Teilhabe.

 

Arbeit als Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe

Berufliche Perspektiven sind ein zentraler Baustein für Selbstbestimmung und soziale Integration. Oberösterreich setzt daher gemeinsam mit zahlreichen Partnerbetrieben gezielte Maßnahmen, um Menschen mit Beeinträchtigungen nachhaltig in Arbeit und Beschäftigung zu bringen, bestenfalls in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Im Rahmen des 2023 gestarteten Strategieprozesses „Arbeit und Inklusion“ wurden insgesamt 25 konkrete Maßnahmen entwickelt, um Barrieren abzubauen, Unternehmen zu unterstützen und neue Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen.

  • Bundesweit einzigartiges Inklusionsservice als zentrale Drehscheibe
    Mit der Einrichtung des Inklusionsservice im Mai 2024 wurde eine zentrale Anlaufstelle für Unternehmen, Menschen mit Beeinträchtigungen und deren Angehörige geschaffen. Die Servicestelle bündelt Leistungen des Landes Oberösterreich, des Betriebsservice sowie des Sozialministeriumservice und sorgt für eine koordinierte Unterstützung aus einer Hand. Das Inklusionsservice ist bundesweit einzigartig – Oberösterreich hat damit eine klare Vorreiterrolle eingenommen.
    Unternehmen erhalten Beratung bei der Akquise geeigneter Arbeitskräfte, Informationen über Fördermöglichkeiten sowie Unterstützung bei der Integration von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Beeinträchtigungen. Gleichzeitig profitieren Betroffene und Angehörige von individueller Beratung, der Erstellung eines Fähigkeitsprofils sowie einer begleiteten Einschulung im Betrieb.
    Im Zentrum steht ein strukturiertes Matching-Verfahren, bei dem die Anforderungen der Betriebe mit den Fähigkeiten der Bewerberinnen und Bewerber systematisch abgeglichen werden, um möglichst dauerhafte und passgenaue Beschäftigungsverhältnisse zu ermöglichen. Seit der Einrichtung der Servicestelle wurden 181 Stellen bei 106 Betrieben akquiriert. 22 Personen konnten bereits am ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen, weitere 6 befinden sich aktuell in einer Arbeitserprobung mit Perspektive auf eine fixe Anstellung.
  • Oö. Inklusionszuschuss als gezielter Impuls
    Mit dem Oö. Inklusionszuschuss setzt das Land seit Herbst 2024 einen weiteren konkreten Anreiz für Betriebe, Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf einzustellen. Der Zuschuss in Höhe von 1.336 Euro pro Monat wird für vollversicherungspflichtige Dienstverhältnisse gewährt, die ab 1. September 2024 abgeschlossen wurden. Die Förderung ist zunächst auf ein Jahr befristet, eine Verlängerung ist möglich. Seit Einführung des Inklusionszuschusses haben 12 Unternehmen diesen beantragt.

 

Ehrenamt schafft Gemeinschaft

Gesellschaftliche Inklusion endet nicht bei Wohnen und Arbeit. Auch ehrenamtliches Engagement ist ein wichtiger Baustein für Selbstbestimmung, soziale Vernetzung und aktive Teilhabe am Gemeinwesen. Das Land Oberösterreich setzt daher gezielte Maßnahmen, um Menschen mit Beeinträchtigungen verstärkt den Zugang zu ehrenamtlichen Tätigkeiten zu ermöglichen.
In nahezu jedem Verein, jeder Organisation und jeder Initiative gibt es Aufgabenbereiche, die – mit entsprechender Unterstützung – auch von Menschen mit Beeinträchtigungen übernommen werden können. Ziel ist es, bestehende Strukturen zu öffnen, Barrieren abzubauen und individuelle Stärken sichtbar zu machen.
Für die Jahre 2026 und 2027 ist vorgesehen, gemeinsam mit landesweit tätigen Organisationen verstärkt inklusive Ehrenamtsmöglichkeiten zu erschließen. Organisationen – wie etwa die Landjugend Oberösterreich – haben bereits mit Schwerpunkten gezeigt, wie sich Inklusion und Ehrenamt miteinander verbinden lassen.

 

Diesen Beitrag teilen

Weitere Themen

Soziale Berufe im Fokus: Die Connect Karrieremesse bietet Orientierung und Chancen

Orientierungshilfe für Sozial-, Pflege- und Gesundheitsberufe Am 24. März 2026 bietet die Connect Karrieremesse Sozialwirtschaft in Linz erneut eine einzigartige Plattform für all jene, die sich für eine Karriere im Sozialbereich interessieren. Über 50 soziale Unternehmen und Ausbildungsstätten präsentieren ihre Job- und Ausbildungsmöglichkeiten und …

Programmieren, produzieren, gestalten: DigiCamp 2026 startet im Juli

Jugendliche vertiefen digitale Zukunftskompetenzen – Buchungsstart am 16. März. Das DigiCamp, eine Initiative von Jugend-Landesrat Christian Dörfel und dem JugendService des Landes OÖ, bietet auch 2026 Jugendlichen im Alter von 11 bis 14 Jahren in den Sommerferien erneut die Möglichkeit, digitale Kompetenzen praxisnah zu …

Weltfrauentag: Respekt vor Frauen als unverrückbare Grundregel des Zusammenlebens in Oberösterreich

LR Dörfel: „Wer Frauen nicht achtet, hat in Oberösterreich keinen Platz“ Immer wieder berichten Lehrerinnen, Polizistinnen oder Mitarbeiterinnen in öffentlichen Einrichtungen von Situationen, in denen ihre Autorität infrage gestellt werden oder ihre Arbeit nicht wertgeschätzt wird, nur weil sie Frauen sind. Anlässlich des Internationalen …

Dreh- und Angelpunkt im Pflege- und Betreuungsbereich

Bilanz der Sozialberatungsstellen 2025 „Die alternde Gesellschaft stellt uns vor viele Herausforderungen: Der Anteil der über 65-Jährigen und damit auch der Hochbetagten über 85 Jahren steigt kontinuierlich. 9 von 10 haben den Wunsch, den Lebensabend in vertrauter Umgebung zu verbringen. Die familiären Strukturen verändern …

Verschärfung der Grundversorgung folgt gemeinsamer Länderlinie

LR Dörfel: „Klare Regeln und Konsequenzen statt falscher Anreize im Asylsystem“ Einen wichtigen Schritt für eine konsequentere Asylpolitik sieht Oberösterreichs Integrationslandesrat Dr. Christian Dörfel in der nun vorliegenden Verschärfung der Grundversorgungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern. Zentrale Punkte entsprechen den oberösterreichischen Vorschlägen, die im Dezember …
Fotocredit: Verein füruns / Sabrina Saltori

Messe für junges Engagement an der JKU

Kostenloses Angebot bringt Organisationen und junge Menschen zusammen Am Mittwoch, 11. März 2026 lädt die Messe für junges Engagement von 10:00 bis 15:00 Uhr ins Keplergebäude der Johannes Kepler Universität Linz (JKU). Die Veranstaltung bietet jungen Menschen die Möglichkeit, sich über freiwilliges Engagement zu …
Zum Inhalt springen