Aktuelles.

Begleitung. Betreuung. Pflege

Präsentation der „Betreuungsarchitektur 2040“

 

„Oberösterreich ist ein Land, das Verantwortung übernimmt – für die Menschen, die heute hier leben, und für jene Generationen, die morgen hier alt werden. Gerade im Bereich Betreuung und Pflege stehen wir vor großen gesellschaftlichen Veränderungen, die ein vorausschauendes Handeln erfordern. Mit der Betreuungsarchitektur 2040 stellen wir frühzeitig die richtigen Weichen, damit die Menschen auch in Zukunft die Sicherheit haben, gut betreut und gepflegt zu werden und ein Altern in Würde möglich bleibt.”

– Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer

„Unser Ziel ist klar: Wir wollen auch in Zukunft eine gute Pflege sicherstellen, die bedarfsgerecht ist, für den Einzelnen leistbar bleibt und gleichzeitig von der öffentlichen Hand nachhaltig finanziert werden kann. Dabei ist mir wichtig, Folgendes festzuhalten: Alt sein bedeutet nicht automatisch pflegebedürftig zu sein – und Pflegebedürftigkeit heißt auch nicht, dass der Weg zwingend ins Heim führt. Schon heute sehen wir, dass nur rund 15 Prozent der über 85-jährigen in stationären Einrichtungen leben. Die demografische Entwicklung stellt uns dennoch vor große Herausforderungen. Mit der Pflegestrategie 2040 haben wir dafür einen klaren Plan, und mit der Betreuungsarchitektur 2040 setzen wir einen wesentlichen Baustein, um die Pflege und Betreuung in Oberösterreich weiterzuentwickeln.“

– Soziallandesrat Dr. Christian Dörfel

„Die Sicherstellung einer guten Pflege und Betreuung ist eine gemeinsame Aufgabe von Land und Gemeinden – und wir stehen zu dieser Verantwortung. Gleichzeitig wird es entscheidend sein, dass wir das System langfristig absichern, denn die Gemeinden tragen bereits heute einen wesentlichen Teil der Kosten. Deshalb braucht es neben einem bedarfsgerechten Ausbau der Angebote auch ein klares Bekenntnis zur Eigenverantwortung: Jeder Einzelne kann und soll dazu beitragen, möglichst lange selbstbestimmt und unabhängig zu leben. Nur wenn wir dieses Zusammenspiel aus persönlicher Vorsorge und einer starken öffentlichen Hand schaffen, wird es gelingen, das hohe Niveau der Pflege und Betreuung in Oberösterreich auch für kommende Generationen nachhaltig zu sichern.“

– Präsident OÖ Gemeindebund Bgm. Christian Mader

 

Alternde Gesellschaft erfordert Umdenken: „Kein Weiter wie bisher“

Das Sozialressort des Landes Oberösterreich verfolgt gemeinsam mit seinen Partnern das Ziel, Begleitung, Betreuung und Pflege auch in Zukunft bedarfsgerecht, leistbar für die Menschen und finanzierbar für die öffentliche Hand sicherzustellen. Die aktuellen Entwicklungen zeigen deutlich: Ein „weiter wie bisher“ ist im Pflege- und Betreuungsbereich nicht mehr möglich, weil das aktuelle System an seine Grenzen stoßen wird. Neue Strukturen und Weichenstellungen sind notwendig.

Bereits heute leben rund 42.000 Menschen über 85 Jahre in Oberösterreich, im Jahr 2040 werden es rund 29.000 Menschen mehr sein. Diese Entwicklung verschärft den Druck auf bestehende Pflege- und Betreuungsangebote und unterstreicht die Notwendigkeit flexibler, an die Entwicklung anpassbarer Ansätze. Für eine vorausschauende Planung ist insbesondere der Anstieg der über 85-jährigen Pflegebedürftigen relevant. Während die Zahl der über 85-jährigen bis 2040 um rund 69 % steigt, wird für die Anzahl der Pflegegeldbeziehenden in dieser Alterskohorte ein Anstieg von rund 35 % erwartet.

 

Gleichzeitig verändern sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen:
  • Der Anteil der Einpersonenhaushalte ist seit den 1970er Jahren kontinuierlich gestiegen und lag 2021 bei rund 35,6 % – Prognosen sehen bis 2035 einen Anstieg auf etwa 40 %.
  • Fast ein Drittel (32 %) der über 65-Jährigen lebt bereits heute allein, traditionelle Mehrgenerationenhaushalte werden seltener.
  • Die Erwerbstätigkeit von Frauen, die traditionell einen großen Anteil der familiären Pflege leisten, ist deutlich gestiegen – damit sinkt die zeitliche Verfügbarkeit für familiäre Betreuung.
  • Zudem wohnen jüngere Generationen seltener in der Nähe ihrer Eltern oder Großeltern, was eine weitere Herausforderung für häusliche Pflege darstellt.

 

Mit diesen demografischen und gesellschaftlichen Veränderungen gehen auch veränderte Erwartungen einher: Ältere Menschen fordern mehr Selbstbestimmung und individuelle Lebensgestaltung, während Digitalisierung, neue Gesundheitskonzepte und ökologische Anforderungen die Art und Weise, wie Pflege organisiert und erbracht wird, nachhaltig verändern. Eine aktuelle Studie zeigt, dass rund 90 Prozent sich ein Altern in den vertrauten vier Wänden wünschen. Damit dies möglich ist, müssen jedoch mehrere Voraussetzungen erfüllt sein: geeignete räumliche Gegebenheiten, eine möglichst gute gesundheitliche Verfassung sowie ein Lebensumfeld, das ein selbstständiges Leben im Alter unterstützt.

  

„OÖ Pflegestrategie 2040“ anhand von fünf Säulen

Mit der „ Pflegestrategie 2040“ verfolgt das Sozialressort des Landes Oberösterreich eine gesamthafte Strategie, um die Herausforderungen im Pflegebereich gut bewältigen zu können. Mit der Fachkräftestrategie Pflege im Jahr 2022 und der Gründung der OÖ Pflege- und BetreuungsManagement-GmbH im ersten Quartal 2025 wurde die ersten beiden strategischen Schritte getan. Der dritte Schritt in dieser gesamthaften Pflegestrategie folgte nun mit der Neugestaltung der Betreuungsarchitektur. Das ausgegebene Ziel war es, zukunftsweisende und praxistaugliche Pflege- und Betreuungsformen für Oberösterreich zu entwickeln, die ein selbstständiges Leben bis ins hohe Alter ermöglichen.

 

Betreuungsarchitektur 2040 bringt flexibles Baukastensystem

In einem Gemeinschaftsprojekt haben das Sozialressort des Landes Oberösterreich, der OÖ Städtebund und der OÖ Gemeindebund in den letzten Monaten die Betreuungsarchitektur 2040 erarbeitet. Sie markiert den Beginn eines langfristig angelegten Entwicklungsprozesses zur Begleitung, Betreuung und Pflege älterer Menschen. Im Zentrum der Betreuungsarchitektur steht eine abgestufte, bedarfsorientierte Versorgung unter dem Leitsatz: „So viel Selbstständigkeit wie möglich, so viel Unterstützung wie nötig.“ Dabei wird großer Wert auf die Verbindung von Eigenverantwortung, individueller Selbstbestimmung, familiären und nachbarschaftlichen Netzwerken sowie professionellen Angeboten gelegt. Aus erprobten Versorgungsmodellen wurde ein flexibles „Baukastensystem“ geschaffen, mit denen die regionalen Träger sozialer Hilfe – Sozialhilfeverbände und Magistrate – die Pflege- und Betreuungslandschaft weiterzuentwickeln. Im Rahmen des Erarbeitungsprozesses wurden über 300 mögliche Konzepte und Modelle eingemeldet, die in weiterer Folge analysiert und auf Umsetzbarkeit überprüft wurden. Aufbauend auf den Ergebnissen der Betreuungsarchitektur wird im heurigen Jahr der neue Bedarfs- und Entwicklungsplan erarbeitet.

 

Neue strategische Grundlagen – 10 Handlungsfelder

 

 Die Betreuungsarchitektur 2040 als Startschuss: Wie es nun weiter geht

Die Betreuungsarchitektur 2040 ist kein Abschluss, sondern ein Ausgangspunkt. Die nächsten Schritte folgen einer klaren Logik: Bestehende Strukturen werden digital gestärkt, neue Betreuungsmodelle starten, werden evaluiert und ausgerollt. Parallel dazu werden Folgeprojekte und Begleitmaßnahmen in Gang gesetzt.

Eine Übersicht über die erprobten Modelle, Pilotprojekte und Konzepte gibt es unter betreuungsarchitektur.ooe.gv.at. Diese werden laufend ergänzt und stehen den regionalen Träger sozialer Hilfe als „Baukastensystem“ zur Verfügung.

 

  1. Digitale Grundlagen legen – mehr Zeit für die Arbeit mit den Menschen

Um in mobilen und stationären Angeboten eine gute Betreuung und Pflege sicherzustellen und die Arbeitsbedingungen weiter zu verbessern, stellen vielfältige digitale Helfer Kompetenzen zur Verfügung. Mit dem gezielten und vernünftigen Einsatz neuer Technologien soll mehr Zeit für die Arbeit mit den Menschen zur Verfügung stehen. Die Digitalisierung der Pflegedokumentation bei mobilen Diensten soll Abläufe vereinfachen, Kommunikation verbessern und Qualitätsstandards sichern. Technologische Innovationen in Alten- und Pflegeheimen entlasten Mitarbeitende und unterstützen Betroffene, etwa durch Sprachdokumentation, Sturzprävention, Sensorik, Telemedizin oder KI-gestützte Systeme. Um diese Entwicklungen weiter voranzutreiben, wird der Pflegetechnologiefonds 2027 neu aufgelegt. Die Verblisterung von Medikamenten erhöht die Therapiesicherheit, entlastet Dienste und wird schrittweise flächendeckend eingeführt.

 

  1. Neue Betreuungsmodelle starten

  • Gemeinschaftliche Nutzung von 24-Stunden-Betreuung: Neue Modelle ermöglichen eine gemeinsame Nutzung durch mehrere Personen in gemeinschaftlichen Wohnformen – als flexible und leistbare Alternative zur klassischen Einzelbetreuung
  • Mobile Versorgung in der Region: Regionale Weiterentwicklung zur wohnortnahen, bedarfsgerechten Betreuung, die Menschen möglichst lange ein Leben zu Hause ermöglicht
  • Alltagshilfe: Unterstützung bei täglichen Aufgaben wie Haushalt, Einkaufen oder organisatorischen Tätigkeiten zur Erhaltung der Selbstständigkeit
  • Kurzzeitbetreuung entlastet Angehörige: Zeitlich begrenzte Pflege bei Ausfällen oder zur Erholung pflegender Angehöriger
  • Wohnen mit Pflege: Kombination von eigenständigem Wohnen mit planbarer pflegerischer Unterstützung für Personen mit mittlerem Pflegebedarf
  • Aktivierende Kurzzeitpflege nach Krankenhausaufenthalt: Gezielte Betreuung zur Wiedererlangung von Selbstständigkeit und Erleichterung des Übergangs in den Alltag

 

  1. Folgeprojekte auf den Weg bringen

  • Senioren-Karte: Zentrales Informations- und Unterstützungsinstrument für ältere Menschen und pflegende Angehörige, künftig erweitert um digitale Funktionen und Schnittstellen zu Unterstützungsangeboten
  • Leitsystem: Orientierungshilfe im komplexen Pflege- und Betreuungsangebot – für Betroffene und Angehörige
  • Infoportal für Betreuung und Pflege: Digitale Bündelung aller relevanten Informationen als zentrale Anlaufstelle für Beratung und Vermittlung
  • Sorgende Gemeinschaften: Stärkung des Lebens im vertrauten Umfeld durch freiwilliges Engagement, lokale Netzwerke und Koordination professioneller und ehrenamtlicher Dienste – vor allem in ländlichen Regionen
  • Heim der Zukunft: Weiterentwicklung des Alten- und Pflegeheimes als Kompetenzzentrum

 

Der nächste Schritt: Bedarfs- und Entwicklungsplan

Im heurigen Jahr wird der neue Bedarfs- und Entwicklungsplan erarbeitet. Zur Deckung der Bedarfe werden die Ergebnisse der Betreuungsarchitektur herangezogen, wobei die konkrete Umsetzung der gemeinsam ausgearbeiteten und positiv evaluierten Modelle und Maßnahmen durch die regionalen Träger sozialer Hilfe (Sozialhilfeverbände und Statutarstädte) erfolgt. Neben der landesweiten- als auch bezirksweiten Planung werden ergänzend erstmals die Bedarfe auch überregional dargestellt.

Dabei wird der Bedarfs- und Entwicklungsplan laufend evaluiert und angepasst – im Sinne eines dynamischen Prozesses, der auf neue Entwicklungen reagieren kann.

 

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