Bilanz der Sozialberatungsstellen 2025
„Die alternde Gesellschaft stellt uns vor viele Herausforderungen: Der Anteil der über 65-Jährigen und damit auch der Hochbetagten über 85 Jahren steigt kontinuierlich. 9 von 10 haben den Wunsch, den Lebensabend in vertrauter Umgebung zu verbringen. Die familiären Strukturen verändern sich. Damit wächst auch der Bedarf an professioneller Beratung, Pflege und Betreuung. Dabei setzen wir auf den persönlichen Kontakt und digitale Hilfsmittel. Unsere 69 Sozialberatungsstellen haben eine zentrale Funktion: Sie sind als erste Anlaufstelle das Aushängeschild des Sozialen Oberösterreich. Der Chatbot ‚Social Buddy‘ ergänzt die persönliche Beratung. Das unterstreicht unsere Linie: Digitale Angebote müssen den menschlichen Kontakt unterstützen, ohne diesen zu ersetzen.“
– Sozial-Landesrat Dr. Christian Dörfel
„Durch die gute Zusammenarbeit zwischen dem Sozialressort des Landes, den Sozialhilfeverbänden und den Magistraten gibt es in Oberösterreich ein flächendeckendes Angebot an Sozialberatungsstellen. Dort erhalten Menschen in den verschiedensten Lebenssituationen durch kostenlose und vertrauliche Beratung sowie umfassende Begleitung konkrete Hilfe. Mit diesem umfassenden Serviceangebot stellen wir sicher, dass Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Die hohen Beratungszahlen zeigen, dass unsere Angebote angenommen und gebraucht werden, vor allem im Bereich Pflege und Betreuung.“
– Mag.a Cornelia Altreiter-Windsteiger, Leiterin der Abteilung Soziales
Gesellschaftliche Rahmenbedingungen 2025
Die demografische Entwicklung in Oberösterreich führt zu einem steigenden Bedarf an Pflege- und Betreuungsleistungen. Der Anteil älterer Menschen nimmt zu, während familiäre Strukturen einem Wandel unterliegen. Diese Entwicklung wirkt sich unmittelbar auf die Nachfrage nach mobilen Diensten, stationären Einrichtungen sowie Unterstützungsangeboten für pflegende Angehörige aus.
Sozialberatungsstellen als Drehscheibe
Vor diesem Hintergrund kommt den Sozialberatungsstellen eine zentrale Rolle als koordinierender und beratender Dreh- und Angelpunkt zu. Sie fungieren als Drehscheibe zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Gemeinden, regionalen Trägern sozialer Hilfe (Sozialhilfeverbände und Magistrate), Pflegeeinrichtungen, Sozialversicherungsträgern, diversen Netzwerkpartnern und dem Land Oberösterreich.
Chatbot „Social Buddy“ als wertvolle Ergänzung
Mit dem Chatbot „Social Buddy“ steht ein niederschwelliger Zugang zu sozialen Informationen rund um die Uhr zur Verfügung. Die KI-gestützte Anwendung die mit Informationen aus dem Oö. Sozialratgeber gespeist wird, ergänzt die persönliche Beratung und dient als erste Orientierung.
Rund acht Prozent der Nutzerinnen und Nutzer erkundigen sich mithilfe des Chatbots nach einer direkten persönlichen Beratung. Der Social Buddy senkt die Hemmschwelle zur Kontaktaufnahme und leitet Menschen gezielt in das professionelle Beratungssystem weiter. Damit bestätigt sich das zentrale Ziel: Digitale Angebote ersetzen die persönliche Beratung nicht, sondern ergänzen und stärken sie. Der Großteil der Nutzerinnen und Nutzer (89 %) verwendet den Social Buddy als „Suchmaschine“, um einfach und schnell Informationen zu erhalten. Seit der Einführung des Chatbots sind die Zugriffszahlen deutlich gestiegen: Während im Jänner 2025 noch 312 Zugriffe verzeichnet wurden, lag die Zahl im Jänner 2026 bereits bei 2.609 – die Anfragen haben sich damit innerhalb eines Jahres mehr als verachtfacht.
Oö. Sozialratgeber 2026 jetzt verfügbar
Der Oö. Sozialratgeber 2026 selbst ist seit Anfang der Woche online als Download verfügbar und ab Mitte März auch in gedruckter Form erhältlich. Damit bietet Oberösterreich einen vielfältigen Mix an Informationsangeboten – digital wie analog – und stellt sicher, dass unterschiedliche Zielgruppen entsprechend ihrer Bedürfnisse erreicht werden.
Strukturen und Zahlen der Sozialberatungsstellen
Das Land Oberösterreich verfügt über ein flächendeckendes Netz:
- 69 Sozialberatungsstellen mit
- 112 Beraterinnen und Beratern

Die Beratungsstellen werden in enger Kooperation zwischen dem Land Oberösterreich, den Sozialhilfeverbänden und den Magistraten geführt. Dieses Organisationsmodell gewährleistet regionale Verankerung bei gleichzeitiger landesweiter Qualitätssteuerung.

Die Beratungen erfolgen:
- persönlich in der Beratungsstelle
- telefonisch
- schriftlich bzw. digital
- im Bedarfsfall auch im Rahmen von Hausbesuchen
Im Jahr 2025 wurden in den Sozialberatungsstellen in Oberösterreich insgesamt 90.941 Beratungskontakte mit 31.418 Personen verzeichnet. Damit bewegt sich das Beratungsniveau weiterhin auf einem konstant hohen Niveau. Die leichte Steigerung der Beratungskontakte gegenüber dem Vorjahr (86.895 Beratungskontakte mit rund 32.519 Klientinnen und Klienten) unterstreicht die anhaltend hohe Nachfrage.
Pflege und Betreuung am stärksten nachgefragt
Der Schwerpunkt liegt klar im Bereich Pflege und Betreuung: Über 60 Prozent aller Beratungsleistungen entfielen auf diesen Bereich. Rund 25 Prozent der Beratungen betrafen finanzielle Angelegenheiten. Die restlichen 15 Prozent teilten sich auf die übrigen Themenbereiche auf. Diese Zahlen bestätigen: Die Sozialberatungsstellen agieren ihrem Ursprung entsprechend nach wie vor primär im Pflege- und Betreuungsbereich. Auch in Zukunft sollen die Sozialberatungsstellen des Landes Oberösterreich als zentrale Dreh- und Angelpunkte im Bereich Pflege und Betreuung fungieren und zu einer effizienten Klient/innenlenkung beitragen. Dadurch erhalten sowohl pflegende Angehörige als auch die Betroffenen selbst soziale Sicherheit durch eine wohnortnahe, bedarfsgerechte Unterstützung.

2025 konnten rund 95 Prozent der Beratungsanliegen direkt geklärt oder einer geeigneten Lösung zugeführt werden. Das bedeutet konkret:
- direkte Erledigung im Beratungsgespräch
- strukturierte Weitervermittlung an zuständige Stellen
- koordinierte Fallbegleitung
Diese hohe Lösungsquote ist auf die fachliche Expertise der Beraterinnen und Berater sowie die enge Vernetzung mit Pflege- und Betreuungseinrichtungen und den zuständigen Netzwerkpartnern zurückzuführen.
Ergänzende Aufgabenbereiche
Neben den Schwerpunkten im Pflegebereich erfüllen die Sozialberatungsstellen auch die wichtige Funktion als Drehscheibe zu anderen sozialen Diensten.
Delogierungsprävention: 4 von 5 Haushalten gesichert
Im Zusammenspiel mit den regionalen Trägern:
- dem Verein Wohnplattform (Zentralraum Linz/Linz-Land)
- der ARGE für Obdachlose – REWO (Mühlviertel)
- der Caritas Netzwerk Wohnungssicherung (Innviertel)
- dem B29 Verein Wohnen Steyr (Pyhrn-Eisenwurzen)
- der Wohnungslosenhilfe Mosaik (Traunviertel/Salzkammergut)
konnte auch 2025 ein Großteil gefährdeter Haushalte stabilisiert werden. Hauptgründe für den Verlust des Wohnraumes sind im Schnitt mit knapp 85 Prozent finanzielle Probleme, mit acht Prozent prekäre Wohnsituationen und mit fünf Prozent familiäre Krisen. Im Rahmen der Delogierungsprävention konnten 60 Prozent ihren bestehenden Wohnraum sichern, 18 Prozent führten einen Wohnungswechsel durch oder wechselten die Wohnform. Damit konnte das Netzwerk Wohnungssicherung vier von fünf Haushalten sichern.
Geordnete Finanzen dank Schuldnerhilfe und Schuldnerberatung
In Kooperation mit der Schuldnerhilfe OÖ und der Schuldnerberatung OÖ werden Betroffene bei drohender oder bestehender Überschuldung unterstützt. Beispielsweise hilft das betreute Konto der Schuldnerhilfe OÖ, existenzsichernde Zahlungen wie Miete, Strom- und Heizkosten zu sichern und für geordnete Finanzen zu sorgen. Im Jahr 2025 führten die beiden staatlich anerkannten Schuldenberatungsvereine in Oberösterreich insgesamt 18.769 Beratungsgespräche und nahmen 4.105 Personen neu in Beratung auf. Zudem konnten 173 neue Vereinbarungen mit Gläubigern abgeschlossen und 941 Privatinsolvenzverfahren begleitet werden. Damit leisten Schuldnerhilfe OÖ und Schuldnerberatung OÖ einen wesentlichen Beitrag zur Entschuldung und zur langfristigen Stabilisierung der Lebenssituation von Betroffenen.
