Aktuelles.

Deutsch-Offensive für internationale Pflegekräfte

Oö. Alten- und Pflegeheime und der Österreichische Integrationsfonds machen internationale Fachkräfte schneller einsatzfähig

„Im Bereich der Gewinnung von Pflegekräften – insbesondere auch aus Drittstaaten – hat Oberösterreich einen vorbildlichen Prozess geschaffen. Internationale Pflegekräfte sind gut in den Alten- und Pflegeheimen angekommen und verrichten dort eine wertvolle Arbeit. Ganz allgemein gilt: Wer gut pflegen will, muss unsere Sprache beherrschen. Neben Grundkenntnissen, sind auch Fach- sowie Umgangssprache wesentlich. Darauf zielt unsere Deutsch-Offensive ab, denn: Verstehen schafft Vertrauen.“

– Soziallandesrat Dr. Christian Dörfel

 

„Deutsch ist mehr als Sprache – es ist der Schlüssel zu Arbeit, Vertrauen und guter Pflege. Die Kooperation mit Pflegekräften in Oberösterreich setzt hier gezielt an.“

– Franz Wolf, Direktor des Österreichischen Integrationsfonds

 

„Pflege ist ein Hochverantwortungsberuf. Und in einem Hochverantwortungsberuf ist Deutsch auf beruflichem Niveau keine Nebensache, sondern Grundvoraussetzung für Qualität und Sicherheit. Mit dem neuen Sprachangebot unterstützen wir internationale Pflegekräfte in Oberösterreich dabei, schneller im Team anzukommen, schneller Verantwortung zu übernehmen und Schritt für Schritt auch Leitungs- und Führungsaufgaben übernehmen zu können.“

– Anna Ferihumer, Geschäftsführerin ALTER OÖ

 

Anwerbung von internationalen Fachkräften als Element in der Fachkräftestrategie Pflege

Die Gewinnung von Pflegekräften hat in Oberösterreich hohe Priorität. Mit der Fachkräftestrategie Pflege werden konsequent Maßnahmen gesetzt, um Menschen für Pflegeberufe zu begeistern und die Rahmenbedingungen in der Pflege weiter zu verbessern.
Der Schwerpunkt bei der Fachkräftegewinnung liegt primär darauf, qualifiziertes Personal im Inland finden. Dennoch lässt sich der Bedarf damit nicht vollständig decken, weshalb auch in Drittstaaten um hochqualifizierte Pflegefachkräfte geworben wird. Oberösterreich gilt hier als österreichweites Vorzeigemodell.

Seit 2021 konnten 263 Pflegekräfte von den Philippinen erfolgreich angeworben und in oberösterreichischen Pflege- und Gesundheitseinrichtungen integriert werden, davon rund 185 philippinische Fachkräfte in den Alten- und Pflegeheimen der Oö. Sozialhilfeverbände. Diese 185 Pflegefachkräfte können nach fachlicher und sprachlicher Integration dazu beitragen, dass rund 370 zusätzliche Plätze für pflegebedürftige Menschen belegt werden können.

 

Deutsch als Grundpfeiler für erfolgreiche Integration

Der gezielte Zuzug von qualifizierten Fachkräften ist ein notwendiger und richtiger Schritt, um die Versorgung im Pflegebereich langfristig abzusichern. Dabei ist klar: Deutschkenntnisse sind ein grundlegender Baustein gelingender Integration. Die Pflegekräfte aus dem Ausland – etwa aus Drittstaaten – kommen bewusst nach Oberösterreich, weil sie hier einen Beitrag leisten und sich eine neue Perspektive aufbauen wollen.

Entscheidend ist, dass die Integration nicht isoliert betrachtet wird, sondern Hand in Hand mit der beruflichen Tätigkeit erfolgt. Nur durch das tägliche Miteinander im Team, im Kontakt mit Bewohnerinnen und Bewohnern und durch gezielte Sprachförderung kann nachhaltige Integration gelingen – zum Vorteil aller Beteiligten.

Menschen, die nach Oberösterreich zuziehen, die deutsche Sprache erlernen, einer Arbeit nachgehen und die grundlegenden Werte und Regeln des Zusammenlebens anerkennen, erhalten gezielte Unterstützung im Integrationsprozess. Mit dem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) steht dafür ein etablierter und verlässlicher Partner zur Verfügung, insbesondere in den Bereichen Sprachförderung, Wertevermittlung und Beratung.

 

Fachkräftegewinnung als Gesamtstrategie von ALTER OÖ

In der Rekrutierung von Fachkräften aus Drittstaaten geht das Sozialressort strategisch und stufenweise vor – der Prozess von der Anwerbung im Ausland über die Berufsanerkennung bis zur Integration in Oberösterreich wird gesamthaft gedacht:

  1. Beschleunigung und Erleichterungen beim Einreiseprozess wurden umgesetzt. Gemeinsam mit allen beteiligten Akteuren (u.a. AMS, Vertragsagenturen, Behörden, Pflegeschulen) wurde der komplexe Gesamtprozess analysiert und Möglichkeiten zur Beschleunigung und Optimierung der Verfahrensschritte festgelegt. Je schneller die Verfahren, desto attraktiver ist Oberösterreich für internationale Fachkräfte. So konnten beispielsweise verbessert werden: die beschleunigte Behandlung von Rot-Weiß-Rot-Card-Anträgen, eine engmaschige Koordinierung der Ergänzungsausbildungen, die Vor-Ort-Registrierung durch die Gesundheitsberuferegisterstell und der Aufbau eines Monitoringsystems.
  2. Als weiterer Schritt folgte 2024 eine zentrale Ausschreibung des Landes OÖ für sechs Herkunftsländer, die den Einrichtungen möglichst unkompliziert und kostengünstiger den Abruf von Pflegekräften erleichtern soll. Hauptzielland sind weiterhin die Philippinen, zudem werden heuer erstmals Pflegekräfte aus Kolumbien einreisen.

 

Als Unterstützung im Gesamtprozessumsetzung und für die Qualitätskontrolle (von der Auswahl bis zur Ankunft und Integration) steht ALTER OÖ (OÖ Pflege- und BetreuungsManagement GmbH) zur Verfügung, die dafür umfassende Maßnahmen erarbeitet und bei Fragen die Sozialhilfeverbände unterstützt.

Der „Sprachkompass Pflege“ ist Teil einer Gesamtstrategie von ALTER OÖ. Seit der Gründung vor knapp einem Jahr wurde ein dichtes Leistungsnetz und eine engmaschige Integrationsbegleitung für die Oö. Sozialhilfeverbände aufgebaut. Dazu gehören u.a. ein Intensiv-Onboarding, das die fachliche Integration internationaler Pflegekräfte in den Pflegeheimen beschleunigt und eine Studie mit der Fachhochschule Gesundheitsberufe OÖ, die konkrete Verbesserungsmöglichkeiten zur betrieblichen Integration erarbeitet. Zudem hat ALTER OÖ auf Basis bisheriger Erfahrungen ein umfassendes Integrationshandbuch erarbeitet, das den Sozialhilfeverbänden als Bedienungsanleitung für Abrufe internationaler Pflegekräfte zur Verfügung steht.

 

Gute Deutschkenntnisse, als Basis für die Pflege

In Alten- und Pflegeheimen entscheidet Kommunikation täglich über Qualität und Sicherheit– bei Übergaben, in der Dokumentation, bei Risiko-Hinweisen und in Gesprächen mit Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Angehörigen. Pflegekräfte, die aus Drittstaaten nach Oberösterreich kommen, müssen bereits nachweisen, dass sie über solide Sprachkenntnisse verfügen. Um ihre Sprachkenntnisse weiter zu vertiefen, liegt ein wesentlicher Schwerpunkt darauf, ausländische Pflegekräfte während ihren ersten Monaten bei der weiteren Qualifizierung zu unterstützen und die Qualität der Sprachkenntnisse zu steigern.

Wenn Deutschkenntnisse gut sind:

  • wird die Zusammenarbeit im Team vereinfacht
  • sind die Hürden für den Erwerb vertiefender Sprachkenntnisse geringer
  • können internationale Pflegekräfte rasch Verantwortung wahrnehmen
  • wird die Qualität der Betreuung und Pflege erhöht

 

Das Ziel: B1 als beruflicher Standard – B2 für erweiterten Einsatz

Der entscheidende Schritt ist der Sprung von den schon mitgebrachten B1-Kenntnissen auf B2. Das Niveau B1 reicht bereits oft für Alltagssituationen und unterstützende Tätigkeiten. Für komplexere Angelegenheiten wird jedoch ein noch höheres Sprachniveau angestrebt – etwa in Übergaben, Dokumentation sowie in Gesprächen mit Bewohner/innen und Angehörigen, um so das bestehende Personal gut unterstützen und entlasten zu können.

Darum lautet das Ziel:

  • B2 erreichen
  • intensive Begleitung und damit Erleichterung einer raschen Einsatzfähigkeit
  • weniger Fehler und Rückfragen, damit Entlastung im Stammpersonal ankommt. Gute Sprachkompetenz ermöglicht es, viele Routinetätigkeiten früher selbständig zu übernehmen.

 

Neues Sprachtraining mit Telegram und Live-Onlinekurs

Der „Sprachkompass Pflege“ setzt hier an: ein österreichweit einzigartiges Modell, entwickelt von ALTER OÖ und dem ÖIF speziell für die OÖ Sozialhilfeverbände. Im Zentrum steht ein berufsbegleitendes, digitales Sprachprogramm, das eng mit dem Pflegealltag verzahnt ist. Es wurde für die Sprachintegration philippinischer Pflegekräfte entwickelt. Das Angebot richtet sich aber an alle Pflegekräfte in Pflegeheimen, die ihre Deutschkenntnisse verbessern wollen.

Das Modell kombiniert vier Bausteine:

  1. Eigener Online-Selbstlernkurs “Deutsch lernen für die Pflege” mit über 1.000 Übungen, 40 Videos und Audios und wöchentlichen Live-Onlinekursen mit Trainer/innen
  2. Mehrere Live-Onlinekurse mit zertifizierten Deutschtrainer/innen pro Woche
  3. Tägliche Lernimpulse über das Smartphone, das sind 10 Minuten-Selbstlerneinheiten über einen Telegram Kanal
  4. Und das Entscheidende: Dieses Deutschpaket ist kein klassischer Freizeitkurs. Es wird gemeinsam mit dem Dienstgeber umgesetzt. Im Pflegeheim steht ein Sprachmentor zur Verfügung, der mit den Pflegekräften Deutsch übt. Denn: Sprachtraining gelingt am besten über den Arbeitsplatz.

 

Der Lernumfang beträgt ca. 300 bis 500 Unterrichtseinheiten für den nächsthöheren Kompetenzsprung. Berufsbegleitend ist diese Weiterentwicklung von B1 zu B2 innerhalb von 9 Monaten erreichbar.

Vermittelt wird das, was im Pflegeheimalltag gebraucht wird: Standardsprache, Pflegefachsprache, regionale Sprachvarianten und Dialektverstehen und auch Kultur-, Werte- und Orientierungswissen für Arbeiten und Leben in OÖ, ganz im Sinne der OÖ Hausordnung.

 

Ablauf: von der Einreise bis B2

Direkt nach der Einreise erfolgt eine verpflichtende Erstberatung beim ÖIF-Integrationsservice für Fachkräfte. Neben der Unterstützung bei der Anerkennung bzw. Nostrifizierung von im Ausland erworbenen Qualifikationen durch fachliche Beratung und finanzielle Förderung wird dort der Sprachstand eingestuft und ein individueller Lernpfad festgelegt – inklusive Zielniveau, Lernumfang, Zeitkorridor und klarer Information zur Eigenverantwortung.

Darauf folgt das berufsbegleitende Aufbautraining um die Fachsprache des Pflegealltags zu erlangen: Die Pflegekräfte lernen in einer Kombination aus Selbstlernen, Live-Onlinekurs und konsequenter Anwendung im Dienst. Nach drei Monaten wird der Lernstand durch den ÖIF erstmals überprüft, um Fortschritt sichtbar zu machen und den Lernpfad bei Bedarf anzupassen.

Danach beginnt die sprachliche Professionalisierung bis B2. Der Schwerpunkt liegt auf Pflegefachsprache und beruflicher Kommunikation – insbesondere Pflegedokumentation, Übergaben und professionelle Gespräche im Pflegealltag. Ergänzend werden Dialektverstehen sowie Kultur- und Wertewissen für das Arbeiten und Leben in Oberösterreich vertieft. Der Lernstand wird regelmäßig überprüft und der Lernpfad bei Bedarf nachgeschärft.

 

Sprache fördern und Verbindlichkeit fordern

Damit das Modell tatsächlich wirkt, ist es verbindlich organisiert – nach dem Prinzip: Fördern und fordern.

  • Es gibt eine verpflichtende Erstberatung beim ÖIF.
  • Es gibt klare Zielvereinbarungen: B2 muss innerhalb eines definierten Zeitkorridors erreicht werden.
  • Regelmäßige Überprüfungen alle drei Monate, um den Fortschritt messbar zu machen und den Lernpfad gezielt anzupassen.
  • Dokumentierter wöchentlicher Lernfortschritt durch die Pflegekräfte
  • Nach sechs Monaten erfolgt eine Evaluation des Modells durch ÖIF, ALTER OÖ und die Sozialhilfeverbände, um Wirkung, Praxistauglichkeit und Optimierungspotenziale systematisch zu prüfen.

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